{"id":12173,"date":"2017-03-22T15:58:08","date_gmt":"2017-03-22T14:58:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.semnonenbund.de\/?page_id=12173"},"modified":"2018-02-21T21:55:26","modified_gmt":"2018-02-21T20:55:26","slug":"archaeologie","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.tiuwari.de\/index.php\/hintergrund\/archaeologie\/","title":{"rendered":"Arch\u00e4ologie"},"content":{"rendered":"<p>[fusion_builder_container hundred_percent=&#8220;no&#8220; equal_height_columns=&#8220;no&#8220; hide_on_mobile=&#8220;small-visibility,medium-visibility,large-visibility&#8220; background_position=&#8220;center center&#8220; background_repeat=&#8220;no-repeat&#8220; fade=&#8220;no&#8220; background_parallax=&#8220;none&#8220; parallax_speed=&#8220;0.3&#8243; video_aspect_ratio=&#8220;16:9&#8243; video_loop=&#8220;yes&#8220; video_mute=&#8220;yes&#8220; overlay_opacity=&#8220;0.5&#8243; border_style=&#8220;solid&#8220;][fusion_builder_row][fusion_builder_column type=&#8220;1_1&#8243; layout=&#8220;1_1&#8243; background_position=&#8220;left top&#8220; background_color=&#8220;&#8220; border_size=&#8220;&#8220; border_color=&#8220;&#8220; border_style=&#8220;solid&#8220; border_position=&#8220;all&#8220; spacing=&#8220;yes&#8220; background_image=&#8220;&#8220; background_repeat=&#8220;no-repeat&#8220; padding=&#8220;&#8220; margin_top=&#8220;0px&#8220; margin_bottom=&#8220;0px&#8220; class=&#8220;&#8220; id=&#8220;&#8220; animation_type=&#8220;&#8220; animation_speed=&#8220;0.3&#8243; animation_direction=&#8220;left&#8220; hide_on_mobile=&#8220;small-visibility,medium-visibility,large-visibility&#8220; center_content=&#8220;no&#8220; last=&#8220;no&#8220; min_height=&#8220;&#8220; hover_type=&#8220;none&#8220; link=&#8220;&#8220;][fusion_text]<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\">Arch\u00e4ologie &amp; Geschichtswissenschaft<\/h1>\n<h2 style=\"text-align: center;\">zur Vor- und Fr\u00fchgeschichte in Deutschland<\/h2>\n<p>[\/fusion_text][fusion_imageframe image_id=&#8220;13254&#8243; style_type=&#8220;none&#8220; hover_type=&#8220;none&#8220; align=&#8220;center&#8220; lightbox=&#8220;no&#8220; linktarget=&#8220;_self&#8220; hide_on_mobile=&#8220;small-visibility,medium-visibility,large-visibility&#8220; animation_direction=&#8220;left&#8220; animation_speed=&#8220;0.3&#8243;]http:\/\/www.gannahall.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Logo-HP-Archaeologie-Mittel-sepia.png[\/fusion_imageframe][fusion_text]<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>\u201eDie Germanen\u201c \u2013 Zwischen Stereotypen und arch\u00e4ologischer Realit\u00e4t<br \/>\n<\/strong>Das Vorwort zur Vorgeschichtsforschung<\/h2>\n<p>[\/fusion_text][fusion_imageframe image_id=&#8220;13260&#8243; style_type=&#8220;bottomshadow&#8220; hover_type=&#8220;none&#8220; bordersize=&#8220;3&#8243; align=&#8220;center&#8220; lightbox=&#8220;no&#8220; alt=&#8220;So stellte man sich Anfang des 20. Jhd die sp\u00e4tbronzezeitlichen Mitteleurop\u00e4er vor.&#8220; linktarget=&#8220;_self&#8220; hide_on_mobile=&#8220;small-visibility,medium-visibility,large-visibility&#8220; animation_direction=&#8220;left&#8220; animation_speed=&#8220;0.3&#8243;]http:\/\/www.gannahall.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Thorismund_Siegesfeier_fr\u00fches-20.Jhd_.jpg[\/fusion_imageframe][fusion_text]<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Romantisierende Darstellung (fr\u00fches 20. Jhd) der Siegesfeier f\u00fcr Gotenk\u00f6nig Thorismund nach der &#8222;Hunnenschlacht auf den Katalaunischen Feldern&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8230;<\/p>\n<p>[\/fusion_text][fusion_text]<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Unwissenheit, Klischees &amp; Vorurteile \u2013 Das Germanenbild im 21. Jahrhundert<\/h2>\n<p>Seit nunmehr weit \u00fcber einhundert Jahren besch\u00e4ftigt sich die Wissenschaft mit unseren Vorfahren, zu denen f\u00fcr viele Jahrhunderte auch \u201edie Germanen\u201c geh\u00f6rten.<br \/>\nDoch was wissen wir denn wirklich \u00fcber die Zeit in der sie lebten, \u00fcber ihren Alltag und ihre Kultur \u2026 und warum halten sich in weiten Teilen der deutschen Bev\u00f6lkerung immer noch hartn\u00e4ckig alte und l\u00e4ngst \u00fcberholte Klischees, wie zum Beispiel jenes, die Germanen w\u00e4ren h\u00f6hlenbewohnende und kulturlose Barbaren gewesen, die in grober Kleidung und mit primitivsten Werkzeugen und Waffen ausger\u00fcstet, ein karges Dasein als J\u00e4ger und Sammler fristeten&#8230; mit Sicherheit aber weit zur\u00fcck st\u00fcnden hinter den antiken Mittelmeerkulturen derselben Epoche.<\/p>\n<p>\u201eAls das r\u00f6mische Imperium entstand, hausten die Menschen im heutigen Deutschland noch in Erdl\u00f6chern und liefen in Tierfellen herum.\u201c<\/p>\n<p>Dieses sicherlich besonders krasse Beispiel ist genauso von mir im Gespr\u00e4ch erlebt worden.<br \/>\nIn eine \u00e4hnliche Richtung geht auch ein Gro\u00dfteil der Erfahrungen, mit denen ich in den letzten Jahren w\u00e4hrend meiner historischen Darstellung der havell\u00e4ndischen Semnonen konfrontiert wurde.<\/p>\n<p>Besonders w\u00e4hrend meiner unterrichtsbegleitenden Vortr\u00e4ge in Schulklassen wurde und werde ich immer wieder mit den g\u00e4ngigen Klischees konfrontiert, welche die Kinder in der Regel von Zuhause mitbringen und die wohl vor allem die Meinung der Eltern reflektieren.<\/p>\n<p>\u201cAber die alten Germanen kannten, hatten, wussten doch dies, das und jenes \u00fcberhaupt noch nicht, folglich w\u00e4ren sie zu dieser oder jenen Leistung damals gar nicht in der Lage gewesen!\u201d<\/p>\n<p>Nun lassen sich solche Feststellungen zum Erstaunen der \u201eBesserwisser\u201c meist mit Fakten und wenigen S\u00e4tzen argumentativ widerlegen.<\/p>\n<p>Doch woher stammt das Stereotyp vom wilden Barbaren, das immer noch das kollektive Geschichtsbild der Deutschen zu pr\u00e4gen scheint?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8230;<\/p>\n<p>[\/fusion_text][fusion_imageframe image_id=&#8220;13268&#8243; style_type=&#8220;bottomshadow&#8220; hover_type=&#8220;none&#8220; bordersize=&#8220;3&#8243; align=&#8220;center&#8220; lightbox=&#8220;no&#8220; linktarget=&#8220;_self&#8220; hide_on_mobile=&#8220;small-visibility,medium-visibility,large-visibility&#8220; animation_direction=&#8220;left&#8220; animation_speed=&#8220;0.3&#8243;]http:\/\/www.gannahall.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/lacustres_1882_Darstellung_Protogermanen.jpg[\/fusion_imageframe][fusion_text]<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Fotografie (1882) einer versuchten Darstellung unserer europ\u00e4ischen Vorfahren<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8230;<\/p>\n<p>[\/fusion_text][fusion_text]<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>Das Image vom kulturlosen Waldbewohner<\/strong><\/h2>\n<p>Der Gr\u00fcnde f\u00fcr das negative Image unserer Vorfahren sind vielf\u00e4ltig wie sich in Folge zeigen wird. Einer dieser Gr\u00fcnde d\u00fcrfte sich beispielsweise durch diverse Vergleiche mit den zeitgen\u00f6ssischen antiken Kulturen des Mittelmeerraumes, wie zum Beispiel den Griechen und R\u00f6mern ergeben.<\/p>\n<p>Die Germanen haben steinernen Monumenten wie beispielsweise der Akropolis oder dem Kolosseum nichts Vergleichbares entgegenzusetzen, die Hinterlassenschaften ihrer Bauten sind kaum wahrnehmbare Verf\u00e4rbungen von Pfostenl\u00f6chern auf deutschen \u00c4ckern.<br \/>\nErst am Ende der Antike trugen sich die germanischen V\u00f6lker mit eigenen Prunkbauten in Italien, Spanien und Nordafrika in die Geschichte des Monumentalbaus ein.<\/p>\n<p>Aber warum war das so?<br \/>\nDiese Frage ist verbl\u00fcffend einfach zu beantworten: F\u00fcr die Germanen bestand schlicht keine Notwendigkeit auf Baustoffe wie Stein oder gar M\u00f6rtel und Zement zur\u00fcckzugreifen, denn ihnen stand Holz als Baumaterial in H\u00fclle und F\u00fclle zur Verf\u00fcgung und so wurden sie \u00fcber die Jahrhunderte zu den begnadeten Holzbaumeistern und Erfindern des Fachwerkbaus, von deren Wissen und Fertigkeiten noch nachfolgende Generationen bis in die heutigen Zeit hinein profitierten.<\/p>\n<p>Da nun Holz aber, wie die meisten der von den Germanen verwendeten Materialien, ein organischer Werkstoff ist, der ohne entsprechende Wartung und Pflege recht schnell von Umwelteinfl\u00fcssen zersetzt wird, hat auch kaum eines der h\u00f6lzernen Produkte unserer germanischen Vorfahren die Jahrhunderte und Jahrtausende \u00fcberstanden, seien es nun H\u00e4user, M\u00f6bel, Karren, Boote, samt ihrer mutma\u00dflichen Verzierungen, Waffenbestandteile wie Sch\u00e4fte, Griffe, Schilde oder die ber\u00fchmt gewordenen Buchstaben, in Holzst\u00e4be geschnitzte Runenzeichen, welche zu den Namensgebern unserer heutigen Schriftzeichen wurden&#8230;alles ist zu Staub und Erde geworden.<\/p>\n<p>Ganz \u00e4hnlich verh\u00e4lt es sich mit Gegenst\u00e4nden, Schmuck und Intarsien aus Bernstein oder Knochen zum Beispiel, welche der Witterung ausgesetzt, ebenfalls in wenigen Jahren vergehen, ganz zu schweigen von Textilien aus Wolle und Leinen oder Taschen und Schuhe aus Leder.<\/p>\n<p>Zu all dem gesellt sich die Tatsache, dass eine Vielzahl der germanischen St\u00e4mme, zu denen auch die Semnonen z\u00e4hlen, \u00fcber viele Jahrhunderte hinweg die Tradition der Brandbestattung pflegten.<\/p>\n<p>Dies bedeutet, dass die Verstorbenen oftmals mit all ihrem zu Lebzeiten f\u00fcr sie bedeutsamen und wichtigen Hab und Gut verbrannt wurden und zwar offenbar auf gro\u00dfen Scheiterhaufen, die eine solche Hitze erzeugten, dass nicht selten sogar feinere Metallapplikationen in ihr vergingen und selbst massive Metallprodukte, wie Schwerter, Schildbuckel oder Kessel stark besch\u00e4digt wurden.<br \/>\nSchlie\u00dflich sollte dies alles dann nach M\u00f6glichkeit noch in eine Urne von der Gr\u00f6\u00dfe eines mittleren Blumentopfes passen,weshalb die ohnehin strukturgesch\u00e4digten Metallteile nach der Verbrennung noch weiter zerst\u00f6rt wurden&#8230; kurzum, der Fundbestand ist im Grunde gar nicht so d\u00fcrftig, daf\u00fcr allerdings in denkbar schlechtem Zustand.<\/p>\n<p>Doch trotz der daraus resultierend vergleichsweise schlechten Qualit\u00e4t der Befunde, sprechen diese eine \u00fcberaus beredte Sprache und diese best\u00e4tigt weder die \u201eH\u00f6hlenmenschen-Theorie\u201c, noch das in der NS-Zeit propagierte Bild vom angeblich kulturell \u00fcberlegenen \u201earischen Herrenmenschen\u201c, sondern vermittelt vielmehr, besonders in Bezug auf die Semnonen, ein anderes faszinierendes Bild.<br \/>\nEs ist das Bild eines bisher schlicht untersch\u00e4tzten Volkes, die hinter den bekannten zeitgen\u00f6ssischen Kulturen nicht zur\u00fccksteht, sondern einfach anders ist und deren eigentliche Bedeutung sich dank der Forschung zwar erahnen l\u00e4sst, jedoch in ihrer Gesamtheit noch weitestgehend unerfasst ist.<\/p>\n<p>[\/fusion_text][fusion_imageframe image_id=&#8220;13273&#8243; style_type=&#8220;bottomshadow&#8220; hover_type=&#8220;none&#8220; bordersize=&#8220;3&#8243; align=&#8220;center&#8220; lightbox=&#8220;no&#8220; link=&#8220;http:\/\/www.thueringer-allgemeine.de\/web\/zgt\/kultur\/detail\/-\/specific\/Einmaliger-Fund-der-germanischen-Fuerstin-von-Hassleben-geraet-fast-in-Vergessen-1707205516&#8243; linktarget=&#8220;_self&#8220; hide_on_mobile=&#8220;small-visibility,medium-visibility,large-visibility&#8220; animation_direction=&#8220;left&#8220; animation_speed=&#8220;0.3&#8243;]http:\/\/www.gannahall.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Goldschmuck_Frauengrab_Th\u00fcringen_Herm.Sueb_..jpg[\/fusion_imageframe][fusion_text]<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Goldschmuck aus einem elbsuebisch-hermundurischen Frauengrab des 3.Jhd.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8230;<\/p>\n<p>[\/fusion_text][fusion_text]<\/p>\n<p>Wie bereits festgestellt, ist die Geschichtsforschung aktuell dabei den Erkenntnisstand zu den vor- und fr\u00fchgeschichtlichen Bewohnern der heutigen Bundesrepublik stetig zu mehren und diesen unter anderem auch f\u00fcr eine mehr oder weniger interessierte \u00d6ffentlichkeit aufzubereiten.<br \/>\nDie Informationslage ist besser als jemals zuvor, noch dazu \u00fcber die neuen Medien bequem f\u00fcr Jedermann abrufbar \u2026 und dennoch scheint der sachliche Umgang mit den eigenen Vorfahren f\u00fcr weite Teile der deutschen Bev\u00f6lkerung, aber auch f\u00fcr einige Fachleute, immer noch problematisch zu sein.<br \/>\nWarum das so ist, l\u00e4sst sich wohl am besten mit einem Blick auf der Vorgeschichtsforschung eigener Vorgeschichte erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8230;<\/p>\n<p>[\/fusion_text][fusion_text]<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>Vom \u201eBarbaren\u201c zum \u201eedlen Wilden\u201c \u2013 Wechsel der Stereotype<\/strong><\/h2>\n<p>Als sich zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland nach Jahrhunderten der Kleinstaaterei die Reichseinigung vollzog, keimte in den Deutschen auch ein bis dahin neues, n\u00e4mlich ein nationales Identit\u00e4tsbewusstsein auf, welches, wie in allen anderen westlichen L\u00e4ndern dieser Zeit auch, von den M\u00e4chtigen dieser Zeit als nutzbringend empfunden und entsprechend gef\u00f6rdert wurde.<br \/>\nDiese nationale Identit\u00e4t repr\u00e4sentierten zuoberst Kaiser und Reich, das erw\u00fcnschte Ergebnis war wohl eine weitestgehend systemkonforme Bev\u00f6lkerung.<br \/>\nDie Menschen glaubten im Umkehrschluss, die Interessen ihrer Repr\u00e4sentanten m\u00fcssten auch die Interessen des Volkes sein&#8230;ein Trugschluss, wie wir heute wissen.<\/p>\n<p>In den folgenden Jahrzehnten jedenfalls entwickelte sich dieses Nationalbewusstsein immer mehr zu einem regelrechten Nationalstolz der sich durch alle Bev\u00f6lkerungsschichten zog und schlie\u00dflich auch die Kunst erreichte, sich widerspiegelnd in Musik, Malerei und Lyrik.<\/p>\n<p>Die eigenen Vorfahren wurden auf jede erdenkliche Art romantisch verkl\u00e4rt und heroisiert, ganz wie die alten Heldensagen es vorgaben.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wurden die ehemals \u201eunchristlichen Barbaren\u201c zu \u201cedlen Wilden\u201d stilisiert, ganz \u00e4hnlich wie es derzeit beispielsweise auch mit den nordamerikanischen \u201eIndianern\u201c geschah. Zeitliche Entfernung hier, r\u00e4umliche Entfernung da, gepaart mit allgemeiner Unwissenheit lie\u00df beides viel Freiraum f\u00fcr Spekulation, Interpretation und Phantasie.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich kannte ein Jeder \u201edie Nibelungen\u201c und wusste zum Beispiel, dass einst in grauer Vorzeit \u201eHermann der Cherusker der Befreier der Deutschen\u201d war.<br \/>\nDie deutschen Heldensagen hatten Hochkonjunktur und die ersten Medi\u00e4visten begannen in den Protagonisten historische vorchristliche Pers\u00f6nlichkeiten festzumachen und die Handlungen entsprechend zu verorten.<br \/>\nAuf einmal hatte auch ein Gro\u00dfteil der deutschen Bev\u00f6lkerung gar kein religi\u00f6ses Problem mehr damit an eine \u201evorchristliche deutsche Kultur\u201c zu glauben, was wenige Jahrzehnte zuvor noch undenkbar gewesen w\u00e4re.<br \/>\nGest\u00f6rt haben d\u00fcrfte dies vor allem den Klerus, da die aufbl\u00fchende Arch\u00e4ologie und Geschichtswissenschaft dem Zeitpunkt des angeblichen Sch\u00f6pfungsursprungs immer bedrohlicher zuleibe r\u00fcckten.<\/p>\n<p>Die Wissenschaft begab sich nun verst\u00e4rkt in den Dienst der Suche nach den Urspr\u00fcngen des \u201cDeutschtums\u201d und die Germanen r\u00fcckten immer st\u00e4rker auch in den Fokus von weltweit bis dahin schon sehr erfolgreichen und bekannten deutschen Altertumsforschern und Arch\u00e4ologen, welche in relativ kurzer Zeit nicht nur das Bild vom barbarischen Keulenschwinger zerst\u00f6rten, sondern mit ihren Erkenntnissen bald auch den edlen Wilden zu Grabe trugen.<\/p>\n<p>Funde und Publikationen h\u00e4uften sich und pr\u00e4sentierten einer \u00fcberaus interessierten \u00d6ffentlichkeit nicht nur eine, sondern gleich mehrere germanische Kulturen verschiedener Regionen und Epochen.<br \/>\nDies jedoch tr\u00fcbte keineswegs die Begeisterung der Romantiker, scheint diese gar gesteigert zu haben und befeuerte zudem die Phantasie der sich gerade entwickelnden \u201cv\u00f6lkischen\u201d, bzw. nationalistischen Bewegung, der auf ihrer Suche nach einer m\u00f6glichst kulturhohen und weit zur\u00fcckreichenden Ahnenreihe dankbar nach allem griffen, was die \u00dcberlegenheit \u201cder Deutschen\u201d gegen\u00fcber allen anderen V\u00f6lkern und Kulturen Europas zu beweisen schien, ganz gleich ob Wissenschaft oder Esoterik, ob wahr oder nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8230;<\/p>\n<p>[\/fusion_text][fusion_imageframe image_id=&#8220;13276&#8243; style_type=&#8220;bottomshadow&#8220; hover_type=&#8220;none&#8220; bordersize=&#8220;3&#8243; align=&#8220;center&#8220; lightbox=&#8220;no&#8220; linktarget=&#8220;_self&#8220; hide_on_mobile=&#8220;small-visibility,medium-visibility,large-visibility&#8220; animation_direction=&#8220;left&#8220; animation_speed=&#8220;0.3&#8243;]http:\/\/www.gannahall.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/WK-I_Propaganda_1914-197&#215;300.jpg[\/fusion_imageframe][fusion_text]<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Deutsche Kriegspropaganda-Postkarte von 1914, mit phantasievoller &#8222;Germanendarstellung&#8220; (Quelle: www.alamy.de)<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8230;<\/p>\n<p>[\/fusion_text][fusion_text]<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>\u201eDer Germane\u201c als stilisierte Symbolfigur einer kollektiven Identit\u00e4t<\/strong><\/h2>\n<p>Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde Deutschland zum Hauptschuldigen erkl\u00e4rt, von der V\u00f6lkergemeinschaft separiert und im Anschluss von den Siegerm\u00e4chten schamlos ausgebeutet.<br \/>\nDieser Umstand und die daraus resultierende Situation der Nachkriegszeit, in welcher sich die deutsche Bev\u00f6lkerung kollektiv befand, kann wohl als Startschuss zum endg\u00fcltigen Erfolg des v\u00f6lkischen Nationalismus in Deutschland angesehen werden.<br \/>\nEbenso kollektiv schien das trotzige Bed\u00fcrfnis nach Abgrenzung zu wachsen und mit ihm das Bed\u00fcrfnis nach \u201ceiner eigenen Geschichte\u201d &#8230; so propagierten jedenfalls die politischen Demagogen dieser Zeit.<br \/>\nEin Alleinstellungsmerkmal musste her und der germanische Vorfahr schien dieses zu bieten.<br \/>\nSeine Geschichte war diffus und lie\u00df somit auch jede Menge Freiraum f\u00fcr Interpretation und frei Erfundenes.<br \/>\nWirkliche Fakten standen einer breiten \u00d6ffentlichkeit kaum zur Verf\u00fcgung, aber diese interessierten in jener Zeit auch nicht wirklich.<\/p>\n<p>Doch dann traten erstmals auch Arch\u00e4ologen, Historiker und andere Wissenschaftler auf, welche die deutsche Vor- und Fr\u00fchgeschichte zunehmend ideologisierten und den Germanen eine \u00fcberragende kulturelle Bedeutung zuschrieben.<\/p>\n<p>Das war \u00d6l auf das Feuer der deutsch-v\u00f6lkischen Propaganda und der erste Schritt zum \u201ewissenschaftlich legitimierten\u201c Missbrauch germanischer Kultur und Geschichte war getan.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens von diesem Zeitpunkt an war alles \u201dgermanische\u201d besonders und wurde klar unterschieden vom \u201cwelschen\u201d, womit das vermeintlich keltische, also franz\u00f6sische und\/oder englische gemeint war, ungeachtet der geschichtlichen Tatsache, dass sowohl der Ursprung Englands, als auch der von Frankreich in germanischen K\u00f6nigreichen der ausgehenden V\u00f6lkerwanderungszeit begr\u00fcndet liegt.<br \/>\nF\u00fcr Deutschland und seine neu entstandene v\u00f6lkische Bewegung war klar: Sie sind die direkten und einzig legitimen Nachfolger des von \u201eHermann dem Cherusker befreiten Germanien\u201c!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8230;<\/p>\n<p>[\/fusion_text][fusion_imageframe image_id=&#8220;13280&#8243; style_type=&#8220;bottomshadow&#8220; hover_type=&#8220;none&#8220; bordersize=&#8220;3&#8243; align=&#8220;center&#8220; lightbox=&#8220;no&#8220; linktarget=&#8220;_self&#8220; hide_on_mobile=&#8220;small-visibility,medium-visibility,large-visibility&#8220; animation_direction=&#8220;left&#8220; animation_speed=&#8220;0.3&#8243;]http:\/\/www.gannahall.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/med1114-300&#215;217.jpg[\/fusion_imageframe][fusion_text]<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Typische nationalsozialistische Propaganda mit Berufung auf die &#8222;germanischen Wurzeln&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8230;<\/p>\n<p>[\/fusion_text][fusion_text]<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>Die Instrumentalisierung germanischer Geschichte und Kultur<br \/>\n&amp; die Arch\u00e4ologie im Dienst von Politik und Propaganda<\/strong><\/h2>\n<p>Sp\u00e4testens mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde dann die gesamte mitteleurop\u00e4ische Geschichte quasi von der Steinzeit an \u201cgermanisiert\u201d, heroisiert und nicht selten grotesk \u00fcberh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Nicht nur \u201eder germanische Krieger\u201c, wozu die nationalsozialistischen Propagandisten wie selbstverst\u00e4ndlich unter anderem auch beispielsweise die skandinavischen Wikinger z\u00e4hlten, ja selbst noch der mittelalterliche Bauer wurde bei Bedarf zum arischen Helden stilisiert und im Kontext des Nationalsozialismus dem deutschen Soldaten gleichgesetzt, dem \u201edie ehrenvolle Aufgabe der Rettung der germanischen Kultur\u201d und \u201eder Reinhaltung des arischen Blutes als oberstes Gebot\u201c galt.<\/p>\n<p>Als h\u00e4tte der mittelalterliche Landmann nicht andere Probleme gehabt, von den Germanen des vorchristlichen Europa ganz zu schweigen, zumal denen, wie wir heute wissen, nicht nur Diktaturen ein Gr\u00e4uel, sondern auch Rassismus fremd war.<br \/>\nIhr Weltbild war gepr\u00e4gt von den verschiedensten Ehrvorstellungen, zu denen unter anderem auch der Respekt gegen\u00fcber Fremden z\u00e4hlte\u2026jedenfalls sofern sich diese ihnen gegen\u00fcber ebenso respektvoll verhielten.<br \/>\nDoch dazu an anderer Stelle mehr.<\/p>\n<p>Hier jedenfalls kann zumindest eine kulturelle Vergewaltigung eindeutig diagnostiziert werden.<\/p>\n<p>Der sogenannte Nationalsozialismus hatte den \u201eUrahn der Deutschen\u201c gepackt, nahm von ihm was n\u00fctzlich schien, trug ihn wie ein Banner vor sich her und lie\u00df ihn auch dann nicht mehr los als er schon lange zum milit\u00e4rischen Faschismus mutiert war, zu einem modernen Spiegelbild des bei den Germanen nicht unbedingt beliebten Imperium Romanum.<\/p>\n<p>Kultur und Weltanschauung h\u00e4tten verschiedener kaum sein k\u00f6nnen!<br \/>\nMit einer kaum nachvollziehbaren Selbstverst\u00e4ndlichkeit hielten das NS-Regime und seine Propaganda weiter am Image des \u201efreiheitsliebenden urspr\u00fcnglichen Germanen\u201c als Symbol fest, trotzdem Deutschland schon lange zur Diktatur und zur invasiven Gro\u00dfmacht nach r\u00f6misch-imperialem Vorbild geworden war.<br \/>\nIn diesem Kontext mutet die Verwendung germanischer Symbole und Sinnzeichen, besonders derjenigen mit vermutetem spirituellem Charakter, an wie ein kindlich-naiver Aberglaube \u2026 als lie\u00dfe sich \u201edie Magie der Ahnen\u201c durch die blo\u00dfe inflation\u00e4re Verwendung in das Industriezeitalter \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Jedenfalls war es den Arch\u00e4ologen und ihrer Fachrichtung in Deutschland wohl nie zuvor so gut gegangen. Die NS-F\u00fchrung, allen voran Heinrich Himmler finanzierten bereitwillig die verschiedensten Ausgrabung, nat\u00fcrlich in der Erwartung, die von den Forschern zutage gef\u00f6rderten Erkenntnisse f\u00fcr ihre Propaganda nutzen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDiese wiederum verfolgten ganz sicher in der Regel ihre eigenen wissenschaftlichen Interessen und mitnichten waren sie alle Nationalsozialisten, manche nicht einmal in der NSDAP, aber von dort kamen die finanziellen Mittel mit der Intention des anschlie\u00dfenden Missbrauchs.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sollte es dann genau dieser Missbrauch der germanischen Geschichte sein, der nach dem Untergang des sogenannten 3. Reiches zun\u00e4chst nicht nur die diesbez\u00fcgliche Forschung in Verruf brachte, sondern zudem das Image der historischen Germanen massivst besch\u00e4digte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8230;<\/p>\n<p>[\/fusion_text][fusion_imageframe image_id=&#8220;13282&#8243; style_type=&#8220;bottomshadow&#8220; hover_type=&#8220;none&#8220; bordersize=&#8220;3&#8243; align=&#8220;center&#8220; lightbox=&#8220;no&#8220; link=&#8220;https:\/\/lisa.gerda-henkel-stiftung.de\/pseudowissenschaftliche_begruendung_von_eroberungen?nav_id=4351&#8243; linktarget=&#8220;_self&#8220; hide_on_mobile=&#8220;small-visibility,medium-visibility,large-visibility&#8220; animation_direction=&#8220;left&#8220; animation_speed=&#8220;0.3&#8243;]http:\/\/www.gannahall.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Archaeologie_im_Nationalsozialismus-290&#215;300.jpg[\/fusion_imageframe][fusion_text]<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Arch\u00e4ologische Ausgrabung im dritten Reich\/Foto der Ausstellung &#8222;Graben f\u00fcr Germanien&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8230;<\/p>\n<p>[\/fusion_text][fusion_text]<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>Die fatalen Folgen der kulturellen Ausbeutung \u2013 Diskreditierung, Diskriminierung und ein neuer Weg in eine falsche Richtung<\/strong><\/h2>\n<p>Nach Kriegsende sollten der deutsche Nationalsozialismus und seine Hinterlassenschaften \u201emit Stumpf und Stiel\u201c ausgerottet werden.<\/p>\n<p>Wirklich nachhaltig geschah dies jedoch lediglich auf ideologischer Ebene.<br \/>\nEgal ob von den Nazis erfunden oder missbr\u00e4uchlich ideologisiert, es wurden Symbole verboten, Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze umbenannt, auch wenn sie lediglich nach fr\u00fchgeschichtlichen Pers\u00f6nlichkeiten oder germanischen St\u00e4mmen benannt waren und im selben Atemzug die gesamte deutsche Vor- und Fr\u00fchgeschichte gleichsam kollektiv mit unter Generalverdacht gestellt, gerade so als tr\u00e4fe die historischen Germanen eine Mitschuld an Nationalsozialismus und Krieg.<\/p>\n<p>Von nun an lie\u00df auch der seri\u00f6seste wissenschaftliche Umgang mit diesem Thema die entsprechenden Arch\u00e4ologen und Historiker zun\u00e4chst einmal zumindest fragw\u00fcrdig erscheinen, zumal einige von ihnen schon vor und w\u00e4hrend des Krieges unter anderem auch im Dienste der Nazipropaganda t\u00e4tig waren.<\/p>\n<p>Im Vergleich mit der Germanendarstellung im dritten Reich, kann f\u00fcr das Nachkriegsdeutschland, besonders im Osten, eine 180\u00b0ige Image-Wende festgestellt werden.<\/p>\n<p>Besonders massiv erfolgte die Diskreditierung der germanischen Geschichte wie gesagt in der ehemals sowjetisch besetzten Zone, der sp\u00e4teren DDR.<\/p>\n<p>Dort war das Misstrauen allem \u201egermanischen\u201c gegen\u00fcber noch deutlich krasser ausgepr\u00e4gt als in der jungen Bundesrepublik, in der ja in verschiedener Hinsicht zun\u00e4chst einmal \u201eVieles beim Alten blieb\u201c.<br \/>\nDies \u00e4nderte sich aber auch dort allm\u00e4hlich und sp\u00e4testens mit der Generation der sogenannten 68ern und ihrem Drang nach \u201eAufarbeitung der Nazizeit\u201c.<\/p>\n<p>Ebenso selbstverst\u00e4ndlich wie widersinnig wurde den Germanen nun auch im Westen ein subtiler Bedeutungszusammenhang mit dem so genannten dritten Reich angedichtet.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend es in der DDR schlie\u00dflich zu einer regelrechten Diskriminierung der germanischen Geschichte kam und diese zugunsten einer \u201eslawischen Geschichte Ostdeutschlands\u201c im gro\u00dfen Stil unter den Teppich gekehrt wurde, zumindest was die potentiell interessierte \u00d6ffentlichkeit anging, versuchte man nun auch im Westen das Thema \u00f6ffentlich m\u00f6glichst zu meiden, so als ginge von ihm ernsthaft eine Gefahr f\u00fcr die Demokratie aus.<\/p>\n<p>Dennoch hatten die Forscher im Westen Deutschlands noch deutlich bessere Arbeitsbedingungen als ihre Kollegen im Osten, die sich nicht selten staatlichen Repressalien ausgesetzt sahen, wovon vor allem Historiker betroffen waren, die nicht im Staatsdienst t\u00e4tig waren.<\/p>\n<p>Die Forschung im Westen behandelte die Germanen von nun an bevorzugt wie eine unbedeutende historische Randkultur im Schatten des r\u00f6mischen Imperiums, beschrieb sie quasi als \u201eundankbare\u201c Nutznie\u00dfer von dessen zivilisatorischem Fortschritt.<\/p>\n<p>Im Grundesetzte das \u201ekollektive geschichtliche Bewusstsein\u201c in der, im Vergleich zur DDR eher christlich gepr\u00e4gten BRD, zumindest gef\u00fchlt mit dem christlichen Mittelalter ein.<br \/>\nIn den Schulb\u00fcchern beider Staaten wurden die mehr als eintausend Jahre germanischer Geschichte zur Randnotiz zwischen dem glorreichen r\u00f6mischen Imperium und den ebenso glorreichen Karolingern, beide vor allem bekannt f\u00fcr unz\u00e4hlige wirtschaftlich und\/oder religi\u00f6s motivierte Angriffskriege.<\/p>\n<p>Warum nun ausgerechnet diese Kulturen f\u00fcr offenbar \u201ep\u00e4dagogisch wertvoller\u201c erachtet wurden als die der Germanen, welche immerhin zu den europ\u00e4ischen \u201eErfindern\u201c der Demokratie und gleicherma\u00dfen zu deren gl\u00fchendsten Verfechtern geh\u00f6ren, will sich allerdings auch bei eingehender Betrachtung nicht so recht erschlie\u00dfen.<br \/>\nSchlussendlich finden wir \u201edie Germanen\u201c bis zum heutigen Tag in den Geschichtsb\u00fcchern lediglich komprimiert auf Stoff f\u00fcr einige wenige Unterrichtsstunden mit der Varusschlacht als H\u00f6hepunkt, das wars.<br \/>\nHier von einer Art Diskriminierung zu sprechen ist wohl nicht \u00fcberzogen.<\/p>\n<p>Erst mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten begann sich zwar das Verh\u00e4ltnis der Deutschen zu ihren Vorfahren wieder leicht zu entkrampfen, was allerdings nicht bedeutet das ein irgendein Bem\u00fchen sp\u00fcrbar wurde, dieses Thema beispielsweise p\u00e4dagogisch aufzuarbeiten.<\/p>\n<p>Trotz aller \u00dcberf\u00e4lligkeit gab es keinen ernst gemeinten Versuch die deutsche Fr\u00fchgeschichte endlich zu entkoppeln von ihrem vergleichsweise kurzen Missbrauch in der j\u00fcngeren deutschen Geschichte.<br \/>\nDer seri\u00f6se Umgang mit der deutschen Vor- und Fr\u00fchgeschichte blieb weiterhin den entsprechenden Fachrichtungen vorbehalten und interessierte Laien oder \u201eHobby-Historiker\u201c, wie ich ja selbst einer bin, werden auch heute noch misstrauisch be\u00e4ugt und sehen sich leider viel zu oft mit Mutma\u00dfungen bez\u00fcglich einer eventuell politischen Motivation konfrontiert.<\/p>\n<p>Kein Wunder also, dass die Germanen allm\u00e4hlich wieder im Nebel der Geschichte und damit aus dem \u00f6ffentlichen Bewusstsein verschwanden, immerhin braucht es nicht viel mehr als zwei Generationen, um auch wirklich jedes Wissen, jede Errungenschaft der Menschheit wieder vergessen zu lassen.<\/p>\n<p>Die Geschichte ist voll von solchen Beispielen vergessenen Wissens und Errungenschaften, seien sie materieller oder kultureller Natur \u2026 exemplarisch daf\u00fcr steht das christliche Mittelalter.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8230;<\/p>\n<p>[\/fusion_text][fusion_text]<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>Der Kreis schlie\u00dft sich, die Bildungsl\u00fccke bleibt<\/strong><\/h2>\n<p>Wo stehen wir also heute?<br \/>\nDie deutsche \u00d6ffentlichkeit befindet sich heute bez\u00fcglich ihrer Vorfahren auf einem Wissensstand, der nicht deutlich h\u00f6her ist als zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts und dies obwohl die Forschung auf diesem Gebiet in der Zwischenzeit quasi Quantenspr\u00fcnge gemacht hat.<\/p>\n<p>Dieses Manko kann bei humoristischer Betrachtung wohl als \u201ehistorische Bildungsl\u00fccke\u201c bezeichnet werden.<br \/>\nNun ja, es gibt sie, die Funde und Erkenntnisse der vergangenen Jahrzehnte.<br \/>\nNur \u201eleider\u201c sind diese Funde in einer derartigen F\u00fclle vorhanden, dass eine Aufbereitung derselben an den begrenzten Kapazit\u00e4ten zu scheitern droht und diese einer ungewissen Zukunft in den Archiven diverser Museen entgegenblicken.<\/p>\n<p>Sind die Funde entsprechend aufgearbeitet, stellen oftmals auch die Publikationen an sich ein Problem f\u00fcr die \u00f6ffentliche Wahrnehmung dar, da sie in entsprechendem Fachterminus verfasst f\u00fcr den interessierten Laien in der Regel schwer verst\u00e4ndlich sind.<\/p>\n<p>Zudem erscheinen sie oftmals in sehr kleiner Auflage, sind also entsprechend schwer zu bekommen und nicht selten so teuer, dass sie f\u00fcr einen durchschnittlich verdienenden Hobby-Historiker schlicht und ergreifend nicht erschwinglich sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8230;<\/p>\n<p>[\/fusion_text][fusion_imageframe image_id=&#8220;12442&#8243; style_type=&#8220;bottomshadow&#8220; hover_type=&#8220;none&#8220; bordersize=&#8220;3&#8243; align=&#8220;center&#8220; lightbox=&#8220;no&#8220; linktarget=&#8220;_self&#8220; hide_on_mobile=&#8220;small-visibility,medium-visibility,large-visibility&#8220; animation_direction=&#8220;left&#8220; animation_speed=&#8220;0.3&#8243;]http:\/\/www.gannahall.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/IMG_3753-300&#215;237.jpg[\/fusion_imageframe][fusion_text]<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Darsteller des Semnonenbund e.V. bei einem unterrichtsbegleitendem Vortrag an einer Berliner Schule<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8230;<\/p>\n<p>[\/fusion_text][fusion_text]<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>Das Fazit<\/strong><\/h2>\n<p>Diese oben diagnostizierte Bildungsl\u00fccke wollen wir an dieser Stelle nun, vor allem bezogen auf die historischen Semnonen, ihre Abk\u00f6mmlinge und deren Siedlungsgebiete, zumindest teilweise beheben helfen.<\/p>\n<p>Dazu wollen wir die M\u00f6glichkeiten des Internetzeitalters nutzen, um das uns zur Verf\u00fcgung stehende Wissen auf allgemein verst\u00e4ndliche Art und Weise mit unseren Mitmenschen zu teilen.<\/p>\n<p>Wissen ist niemals gef\u00e4hrlich, Halbwahrheiten und Unwissenheit dagegen schon.<br \/>\nMit der Geschichte verh\u00e4lt es sich \u00e4hnlich: ist sie wahr, auf Fakten basierend und wird wertfrei vermittelt, ist sie den Menschen eine Lehre \u2026 ist sie weitgehend unbekannt und l\u00e4sst der Phantasie viel Raum, kann und wird hinzugedichtet, verf\u00e4lscht, frei erfunden und vor allem instrumentalisiert werden.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis kann wohl festgestellt werden, dass der stiefm\u00fctterliche Umgang mit diesem wichtigen und langen Zeitabschnitt deutsch-europ\u00e4ischer Geschichte eher dazu geeignet ist, zum wiederholten mal die Phantasie diverser Geschichts- und Nationalromantiker zu befeuern, als dass irgendein erkennbarer Nutzen f\u00fcr irgendjemanden daraus entst\u00fcnde.<br \/>\nEin Effekt der weder w\u00fcnschens- noch erstrebenswert sein kann, wie die j\u00fcngere Vergangenheit zeigt.<\/p>\n<p>Wer informiert ist und seine eigene Geschichte kennt, den werden Blender und Propagandisten nur schwerlich aufs Glatteis f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Wir sprechen uns an dieser Stelle ganz klar sowohl gegen den Missbrauch, als auch gegen eine Diskriminierung gewisser historischer Zeitabschnitte, Kulturen und\/oder Pers\u00f6nlichkeiten aus, genauso wie gegen die pauschale Diskreditierung der Erforschung einer bestimmten Epoche \u2026denn die Menschen haben ein Anrecht auf ihre Geschichte, unverf\u00e4lscht und frei von Wertung.<br \/>\nUnd so wie die Weltgeschichte v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich Weltkulturerbe ist, bzw. sein sollte, ist unsere Regionalgeschichte zumindest unser Regionalkulturerbe, welches allen hier lebenden Menschen zur Verf\u00fcgung stehen soll, ganz gleich ob ihre Familien seit Generationen im Havelland, in der Prignitz oder in Berlin leben oder ob die Mark erst seit kurzem ihre Heimat 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